Fünf Anzeichen, dass der Partner bald Schluss machen wird?
Steht die Beziehung kurz vor dem Aus? Diese fünf Anzeichen zeigen, dass der Partner die Trennung möchte. Und fünf weitere, die sonst nur ich zu sehen bekomme.
Kaum jemand, der bei mir in der Kanzlei sitzt, sagt, „es sei überraschend“ gekommen. Meist kommen die Menschen zu spät darauf und sehen erst im Nachhinein, dass alles da war, ich wollte es nur nicht sehen.
Listen mit Warnsignalen liest man in jeder Zeitschrift, und sie treffen das Gefühl gar nicht schlecht. Sie beschreiben allerdings nur die eine Hälfte. Die zweite bekomme ich zu sehen, wenn jemand zum ersten Mal einen Termin vereinbart und erzählt, was in den Wochen und Monaten davor passiert ist.
Die fünf Anzeichen, die jeder sehen kann
1. Aus Kritik wird ein Urteil
Am Anfang steht selten ein großer Streit. Es ist eher ein Augenrollen. Sie sagen einen Satz und merken, dass die Antwort schon feststand, bevor Sie zu Ende gesprochen haben. Aus „das hat mich gestört“ wird „immer machst du“. Aus einem Versäumnis wird ein Charakterzug. Über „du hast das vergessen“ kann man reden. „Du bist eben so“ ist ein Urteil.
Am deutlichsten merkt man es an sich selbst. Man legt sich Sätze zurecht, bevor man sie ausspricht. Man wartet auf einen günstigen Moment. Man rechnet mit einer genervten Reaktion und bekommt sie dann auch.
2. Über Nähe wird nicht mehr gesprochen
Dass es Phasen ohne Sex gibt, sagt für sich genommen wenig. Interessanter ist, was mit dem Gespräch darüber passiert. Solange das Thema angesprochen wird, auch unbeholfen, ist es eine Durststrecke. Wird es umgangen, weil jeder Anlauf in Vorwürfen endet, entsteht ein Schweigen, das sich rasch auf andere Bereiche ausdehnt.
Sichtbar wird das oft am Tagesablauf. Einer geht früher ins Bett, der andere bleibt sitzen, bis der erste eingeschlafen ist. Berührungen werden funktional. Man weicht einander in der Küche aus.
3. Die Kommunikation wird einseitig
Sie erzählen vom Tag und bekommen ein „mhm“. Nachrichten werden kürzer, die Antwortzeiten länger, der Anruf zwischendurch fällt weg. Im Kalender des anderen stehen mehr Termine, die Sie nicht betreffen: Sport, Arbeit, alte Freunde, ein Feierabend, der später endet als früher.
Auch hier ist das ehrlichste Zeichen eines bei Ihnen selbst. Sie fangen an, Dinge nicht mehr zu erzählen. Nicht aus Heimlichkeit, sondern weil Sie das ausbleibende Interesse kein zweites Mal spüren wollen. Ab da führen zwei Menschen zwei Leben und besprechen nur noch die Schnittmenge.
4. Es wird nicht mehr gestritten
Viele halten die plötzliche Ruhe für eine Besserung. Oft ist sie tatsächlich das Gegenteil. Streiten kostet Kraft und lohnt sich nur, solange man etwas erreichen will. Wer damit aufhört, hat meistens keinen Frieden geschlossen, sondern schlicht sein Ziel aufgegeben.
Der Ton kann überraschenderweise auffällig höflich werden. Emotionale Auseinandersetzungen werden seltener. Man redet miteinander wie Mitbewohner. Wer kauft ein, wer holt das Kind ab, wer überweist die Rechnung. Das gemeinsame Leben wird verwaltet. Für sich alleine betrachtet, ist das auch notwendig und nicht zwingend ein Zeichen einer bevorstehenden Trennung. Doch wenn die Emotionen ausbleiben, die „herzhaft“ geführte Auseinandersetzung fehlt und der Streit sich anfühlt wie ein nüchterner Austausch von Informationen, so dass jede politische Diskussion intensiver und persönlicher wirkt, als der Streit mit dem eigenen Partner, ist Skepsis durchaus angebracht. Die alten Konflikte sind nicht gelöst, sie kommen nur nicht mehr vor. Auf Nachfragen heißt es: passt schon. Ausweichen ist die neue Art der Konfrontation und Lösung von Konflikten.
5. Die Zukunft kommt im Gespräch nicht mehr vor
Sie erwähnen den Urlaub im Sommer und hören „schauen wir einmal“. Die Einladung zu einer Hochzeit im Herbst bleibt liegen. Die neue Küche, der Wohnungswechsel, ein zweites Kind, alles wird verschoben, ohne dass jemand Nein sagt.
Wer innerlich schon mit einem Leben ohne den anderen rechnet, kann schlecht zusagen und will nicht offen absagen. Also wird die Gegenwart verwaltet und nichts mehr geplant. Viele Mandantinnen und Mandanten erzählen mir, dass sie es an genau dieser Stelle eigentlich gewusst haben.
Und was dagegen spricht
So eindeutig das klingt darf aber nicht übersehen werden, dass jedes dieser Muster auch harmlose Erklärungen haben kann. Rückzug kann Erschöpfung sein, eine Krise im Beruf, eine Depression, ein Todesfall in der Familie, die ersten Monate mit einem Baby. Ein schlechter Monat bedeutet nichts. Es geht um die Richtung über einen längeren Zeitraum und darum, ob man darüber noch reden kann.
Die fünf Anzeichen, die meist nur ich zu sehen bekomme
Bis hierher deckt sich mein Eindruck mit dem der Paarberatung. Ab hier nicht mehr. Denn während der eine noch überlegt, ob er das Gespräch suchen soll, hat der andere manchmal längst begonnen zu planen. Das ist selten böse gemeint und meistens auch nicht besonders raffiniert. Es fällt nur auf, wenn man weiß, worauf zu schauen ist.
1. Aus Vorwürfen werden Aufzeichnungen
Wer jahrelang lautstark gestritten hat und plötzlich sachlich schreibt, Vorfälle mit Datum festhält und Nachrichten aufhebt, dokumentiert. Verwerflich ist das nicht, es ist aber etwas anderes als Enttäuschung.
2. Getrennte Zimmer sind kein Zustand, sondern ein Datum
Die eheliche Lebensgemeinschaft lässt sich auch innerhalb derselben Wohnung aufheben. Dieser Zeitpunkt hat Folgen. Was danach verdient und angespart wird, fällt grundsätzlich nicht mehr in die Aufteilung, und für eine einvernehmliche Scheidung muss die Gemeinschaft zumindest sechs Monate aufgehoben sein. Wenn ich später frage, wann die Trennung war, nennen beide Seiten oft Zeitpunkte, die Wochen oder Monate auseinanderliegen.
Getrennte Schlafzimmer müssen natürlich nicht zwingend einen Trennungshintergrund haben. Es gibt häufig auch ganz erklärbare Gründe: Schnarchen, Schlafapnoe, chronische Schmerzen oder Pflegebedarf auf der medizinischen Seite; unterschiedliche Rhythmen und Vorlieben beim Schlafen selbst, der eine geht früh ins Bett, die andere spät, der eine braucht das Fenster offen, die andere friert; beruflich Schicht-, Nacht- und Reisetätigkeit, die den gemeinsamen Takt unmöglich macht; familiär ein Baby, das bei einem Elternteil schläft, oder ein Kind, das nachts Begleitung braucht; dazu schlichte Gelegenheit, wenn nach einem Umbau, einer Übersiedlung oder dem Auszug eines Kindes plötzlich ein Zimmer frei ist. Und nicht zuletzt der Wunsch nach einem eigenen Rückzugsraum, der für viele Paare nicht unbedingt ein Rückzug voneinander ist, sondern die Bedingung dafür, den Tag miteinander gut zu verbringen. Doch es gibt eben auch andere Umstände, und die können sehr wohl Hinweise darauf sein, dass eine Trennung bevorsteht. Vor allem wenn die erwähnten „erklärbaren“ Umstände nur vorgeschoben werden.
3. Der Rückzug hat eine finanzielle Seite
Ein neu eröffnetes Konto, geänderte Daueraufträge, ein aufgelöster Bausparvertrag, größere Beträge, die plötzlich bei Verwandten liegen, bei Selbständigen ein Geschäftsjahr, das auffällig schlecht ausfällt. Wer in den letzten beiden Jahren vor dem Aufteilungsantrag Vermögen verringert, muss sich das unter Umständen anrechnen lassen.
4. Unterlagen verschwinden oder werden auf einmal interessant
Kaufverträge, Kontoauszüge, Steuerbescheide und Polizzen sind nicht mehr dort, wo sie jahrelang lagen. Oder jemand kopiert sie mit einer Gründlichkeit, die vorher nicht üblich war.
5. Keine gemeinsamen Pläne heißt nicht: keine Pläne
Parallel zum „schauen wir einmal“ laufen manchmal sehr konkrete eigene Vorbereitungen. Eine geänderte Begünstigung in der Lebensversicherung, ein neues Testament, eine widerrufene Vollmacht, ein beantragter Reisepass für das Kind, eine Ummeldung des Hauptwohnsitzes.
Für sich genommen lässt sich jeder dieser Punkte erklären. Kommen mehrere zusammen und fallen sie in dieselbe Zeit wie der emotionale Rückzug, ist das Bild meistens klar.
Was Sie jetzt nicht tun sollten
Der verständlichste Impuls ist der gefährlichste – sich Gewissheit beschaffen. Heimlich ins Handy schauen, eine Ortungs-App installieren, ein Gespräch mitschneiden, sich in das E-Mail-Konto einloggen.
Rechtlich ist das gefährlich und kann strafbar sein. Zwar gibt es kein Beweismittelverbot in Österreich, aber die Konsequenzen derartiger Handlungen können durchaus auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Besser vorher informieren, was erlaubt und sinnvoll ist, bevor impulsiv eigene Aktionen gestartet werden, die massive Auswirkungen haben können.
Was stattdessen sinnvoll ist
- Verschaffen Sie sich einen Überblick: Welche Konten gibt es, welche Kredite, welche Versicherungen, wem gehört die Wohnung, was steht im Grundbuch? Diese Informationen stehen Ihnen ohnehin zu. In vielen Ehen kennt sie trotzdem nur einer der beiden.
- Sichern Sie Kopien Ihrer eigenen Unterlagen an einem Ort, zu dem nur Sie Zugang haben.
- Halten Sie Daten fest. Ab wann wurde getrennt geschlafen, wann ist jemand ausgezogen, wann wurde die gemeinsame Haushaltsführung beendet. Ein Jahr später lässt sich das kaum noch rekonstruieren.
- Reden Sie zuerst miteinander. Das klingt schlicht, ist aber der wichtigste Punkt. Viele Krisen sind Krisen und keine Trennungen. Paarberatung und Mediation haben schon Ehen gerettet, in denen beide bereits an Anwälte gedacht haben.
- Informieren Sie sich früh. Ein Beratungsgespräch ist keine Trennungsentscheidung. Es verschafft Ihnen Klarheit über Ihre Lage, bevor Sie sie unter Druck beurteilen müssen.
Am Ende bleibt die Erkenntnis aus meiner täglichen Praxis und der Moment an dem der Mandant selbst reflektiert zur Einsicht kommt: Im Nachhinein war alles da.
Wer die Zeichen früher liest, kann selbst entscheiden, was er damit macht. Manche suchen dann das Gespräch, das lange ausgeblieben ist. Andere gehen wenigstens nicht unvorbereitet in ein Verfahren. Beides ist besser, als es erst zu bemerken, wenn die Wohnungstür zufällt.
Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen zur österreichischen Rechtslage wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Dr. Clemens Gärner, Rechtsanwalt in Wien,
Wollzeile 1, 1010 Wien | www.gaerner-law.at
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